Vielfalt leben: Praktikanten aus dem Autismus-Spektrum bei CREMER

Unsere Kollegen Friedrich Stiller (IT) und Kara Winkeler (People & Organisation) haben ihre Erfahrungen kürzlich im Rahmen der Veranstaltung „Blickwinkel Autismus“ des Berufsbildungswerkes Hamburg (BBW) geteilt – und im Anschluss auch mit uns darüber gesprochen. 

Etwa ein Prozent der Bevölkerung erhält die Diagnose Autismus. Menschen im Autismus-Spektrum bringen häufig besondere Stärken mit, etwa ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit, strukturiertes Denken und hohe Detailgenauigkeit. Gleichzeitig können unklare Anforderungen oder spontane Aufgaben herausfordernd sein.

Das Veranstaltungsformat „Blickwinkel Autismus“ schafft Raum für Austausch und praxisnahe Einblicke in die gelungene Zusammenarbeit mit Menschen im Autismus-Spektrum. Für Kara Winkeler und Friedrich Stiller war die Teilnahme eine gute Gelegenheit, ihre Erfahrungen aus dem Alltag bei CREMER einzubringen und zu zeigen, wie Inklusion bei CREMER konkret gelebt wird.

Vielfalt beginnt im Arbeitsalltag

Vielfalt zeigt sich im Alltag: in der Konstellation von Teams, bei der Zusammenarbeit oder bei der Gestaltung von Aufgaben. Und manchmal beginnt sie ganz praktisch – mit einem klar formulierten Ticket.

„In der IT haben wir sehr gute Erfahrungen mit den Praktikanten aus dem Autismus-Spektrum gemacht, vor allem bei Aufgaben, die Konzentration, Genauigkeit und strukturiertes Arbeiten erfordern“, sagt Friedrich Stiller aus dem Team IT Services. Insbesondere Support-Tickets, Dokumentationen oder Tests – also Aufgaben, die Genauigkeit erfordern – lägen den Praktikanten besonders. Herausfordernd seien eher spontane Änderungen oder unklare Anforderungen. „Wenn Aufgaben klar beschrieben sind, funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut“, so Stiller.

Klare Prozesse und gut umrissene Aufgaben

Was zunächst nach Anpassung klingt, hat sich schnell als Qualitätsgewinn für das gesamte Team erwiesen. Klarere Aufgabenbeschreibungen, feste Prioritäten, weniger spontane Zurufe: Strukturen, die nicht nur inklusiver, sondern auch effizienter sind. „Saubere Prozesse helfen allen“, bringt es Friedrich Stiller auf den Punkt. 

"In der IT haben wir sehr gute Erfahrungen mit den Praktikanten aus dem Autismus-Spektrum gemacht, vor allem bei Aufgaben, die Konzentration, Genauigkeit und strukturiertes Arbeiten erfordern“ 
Friedrich Stiller

Auch organisatorisch lief die Einbindung der Praktikanten aus dem Autismus-Spektrum reibungslos. Die Vermittlung lief über das Berufsbildungswerk Hamburg (BBW), das Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderem Förderbedarf ins Berufsleben begleitet. „Vor dem ersten Praktikum erhielt das IT-Team eine Schulung des BBW“, erzählt Kara Winkeler, die das Projekt von Seiten der Abteilung People & Organisation begleitet.

Individuelle Bedürfnisse berücksichtigen

„Wir haben bewusst geschaut, was die Person braucht, um gut arbeiten zu können“, sagt die Projektverantwortliche. Aufgaben wurden im Vorfeld definiert, eine feste Ansprechperson benannt. „Bei der Auswahl des Arbeitsplatzes haben wir darauf geachtet, individuell auf die Bedürfnisse des Praktikanten einzugehen: Möchte er eher in einem Einzelbüro oder mit mehreren Personen zusammensitzen? Ist der Tisch Richtung Wand oder Richtung Raum ausgerichtet?“

Enorme Expertise nutzen

Bereits vier Praktikanten aus dem Autismus-Spektrum haben bei CREMER reingeschnuppert. Die Erfahrungen waren sehr unterschiedlich. „Manche waren wenige Tage hier, andere mehrere Monate“, sagt Kara Winkeler. „Bei einem Praktikanten lag die Herausforderung beispielsweise im persönlichen Umgang – wir waren zu freundlich, das war er nicht gewöhnt.“

Was sich bewährt hat, ist ein klarer und wertschätzender Umgang miteinander. „Menschen dürfen unterschiedlich arbeiten; da gibt es kein ‚richtig‘ und kein ‚falsch, solange die Zusammenarbeit respektvoll ist“, so Friedrich Stiller. Nachfragen seien ausdrücklich erlaubt, Feedbacks ebenfalls – in beide Richtungen.

„Wenn die richtigen Menschen die richtigen Aufgaben übertragen bekommen, kann das sogar die Wirtschaftlichkeit erhöhen.“
Kara Winkeler

Kara Winkeler wünscht sich, dass zukünftig noch mehr Unternehmen auf diese Weise Vielfalt in ihre Teams bringen. Gerade Personen aus dem Autismus-Spektrum hätten eine enorme Expertise in bestimmten Bereichen und meisterten insbesondere Aufgaben aus der IT mit großer Sorgfalt und Ausdauer. „Wenn die richtigen Menschen die richtigen Aufgaben übertragen bekommen, kann das sogar die Wirtschaftlichkeit erhöhen“, sagt sie.

Vielfalt bedeute nicht, Prozesse komplizierter zu machen, sondern sie bewusster zu gestalten. Denn Vielfalt entsteht nicht auf dem Papier, sondern im täglichen Miteinander. 

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